Notate tagsüber...

– Abgeschriebenes und Aufgeschriebenes –
Ablage für Ungereimtheiten und Gereimtes:
Gedanken, Gedichte und Zitate

Jumping Mouse

Es war einmal ein Mäuserich. Es war ein vielbeschäftigter Mäuserich, der überall herumsuchte, das Gras mit seinen Barthaaren betastete und alles betrachtete. Er war vielbeschäftigt wie alle Mäuse, beschäftigt mit Mäusesachen. Doch dann und wann hörte er ein merkwürdiges Geräusch. Dann hob er seinen Kopf, kniff die Augen fest zusammen, sträubte seine Barthaare und wunderte sich. Eines Tages eilte er zu einem benachbarten Mäuserich und fragte ihn: »Hörst du auch ein Rauschen in deinem Ohr, mein Bruder?«

»Nein, nein«, antwortete der andere Mäuserich, ohne seine vielbeschäftigte Nase vom Boden zu heben. »Ich höre nichts. Ich bin jetzt beschäftigt. Sprich später mit mir.«

Er stellte einem anderen Mäuserich die gleiche Frage, doch dieser sah ihn ganz seltsam an. »Bist du nicht ganz richtig im Kopf? Was für ein Geräusch?« fragte er und schlüpfte in ein Loch im Stamm eines umgestürzten Baumes.

Der kleine Mäuserich zuckte mit seinen Barthaaren und beschäftigte sich wieder, fest entschlossen, die ganze Sache zu vergessen. Aber da war schon wieder dieses Rauschen. Es war undeutlich, sehr undeutlich, aber es war da! Eines Tages entschloss er sich, dieses Geräusch ein wenig zu erforschen. Er verließ die anderen vielbeschäftigten Mäuse, lief ein kurzes Stück und horchte wieder Da war es! Er horchte eifrig, als ihn plötzlich jemand grüßte.

»Hallo, kleiner Bruder«, sagte die Stimme, und der Mäuserich sprang vor Schreck fast aus seiner Haut. Er krümmte Rücken und Schwanz und wollte davonlaufen.

»Hallo«, sagte die Stimme wieder. »Ich bin es, Bruder Waschbär.« Und er war es tatsächlich! »Was machst du denn hier ganz alleine, kleiner Bruder?« fragte der Waschbär. Der Mäuserich errötete und senkte seine Nase fast bis zum Boden. »Ich höre ein Rauschen in meinen Ohren und bin dabei, es zu erforschen«, antwortete er verschüchtert.

»Ein Rauschen in deinen Ohren?« erwiderte der Waschbär, während er sich neben ihn setzte. »Was du hörst, kleiner Bruder, ist der Fluss.«

»Der Fluss?« fragte Mäuserich neugierig. »Was ist ein Fluss?«

»Komm mit, und ich zeige dir den Fluss«, sagte Waschbär.

Kleiner Mäuserich hatte furchtbare Angst, aber er war entschlossen, sich ein für alle Mal über das Rauschen Klarheit zu verschaffen.

»Ich kann zu meiner Arbeit zurückkehren«, dachte er, »nachdem diese Sache erledigt ist, und möglicherweise kann dieses Ding mir in all meinen geschäftigen Untersuchungen und beim Sammeln behilflich sein. Und meine Brüder sagten alle, es wäre nichts. Ich werde es ihnen zeigen. Ich werde Waschbär bitten, mit mir zurückzukehren, dann habe ich einen Beweis.«

»Also gut, Waschbär, mein Bruder, sagte Mäuserich. »Führe mich zum Fluss. Ich werde mit dir gehen.«

Kleiner Mäuserich ging mit Waschbär. Sein kleines Herz hämmerte in der Brust. Der Waschbär führte ihn auf fremde Pfade, und Kleiner Mäuserich roch den Duft von vielen Dingen, die an diesem Weg vorbeigegangen waren. Viele Male fürchtete er sich so sehr, dass er beinahe umgekehrt wäre. Endlich kamen sie zum Fluss! Er war ungeheuer groß und atemberaubend, tief und klar an manchen Stellen und trübe an anderen. Kleiner Mäuserich war außerstande, über den Fluss zu sehen, weil er so groß war. Er brüllte, sang, schrie und donnerte auf seinem Weg. Kleiner Mäuserich sah große und kleine Stücke der Welt, die auf seiner Oberfläche fortgetragen wurden.

»Er ist mächtig!« sagte der kleine Mäuserich, nach Worten suchend.

»Er ist eine große Sache«, antwortete der Waschbär, »aber hier, lass mich dich einem Freund vorstellen.«

An einer ruhigeren und seichteren Stelle war ein Seerosenpolster, leuchtend und grün. Darauf saß ein Frosch, fast so grün wie das Polster, auf dem er saß. Der weiße Bauch des Frosches stand deutlich hervor.

»Hallo, kleiner Bruder«, sagte der Frosch. »Willkommen am Fluss.«

»Ich muss dich jetzt verlassen«, unterbrach Waschbär, »aber hab keine Angst, kleiner Bruder, der Frosch wird nun für dich sorgen.« Und Waschbär ging weg, am Flussufer entlang, wo er Nahrung suchte, die er waschen und essen konnte.

Kleiner Mäuserich näherte sich dem Fluss und blickte hinein. Er sah eine verängstigte Maus dort widergespiegelt.

»Wer bist du?« fragte kleiner Mäuserich das Spiegelbild…
»Hast du keine Angst so weit draußen im großen Fluss, Bruder?«

»Nein«, antwortete der Frosch. »Ich habe keine Angst. Mir wurde bei meiner Geburt die Gabe gegeben, sowohl auf dem Fluss als auch in ihm zu leben. Wenn Wintermann kommt und diese Medizin zufriert, kann ich nicht gesehen werden. Aber während der ganzen Zeit, in der der Donnervogel fliegt, bin ich hier. Um mich zu besuchen, muss man kommen, wenn die Welt grün ist. Ich, mein Bruder, bin der Hüter des Wassers.«

»Erstaunlich!« sagte endlich Kleiner Mäuserich, wieder nach Worten suchend.

»Möchtest du etwas Medizinmacht haben?« fragte Frosch.

»Medizinmacht? Ich?« fragte Klerner Mäuserich. »Ja, ja! Wenn es möglich ist.«

»Dann duck dich, so tief du kannst, und dann spring so hoch wie, du dazu imstande bist! Du wirst deine Medizin bekommen!« sagte Frosch.

Kleiner Mäuserich tat, was man ihn geheißen hatte. Er duckte sich, so tief er konnte, und sprang. Als er das tat, sahen seine Augen die Heiligen Berge.

Kleiner Mäuserich konnte kaum seinen Augen trauen. Aber da waren sie! Dann aber fiel er zur Erde zurück und landete im Fluss!

Kleiner Mäuserich bekam Angst und krabbelte zum Ufer zurück. Er war nass und zu Tode erschrocken.

»Du hast mich getäuscht!« schrie Kleiner Mäuserich den Frosch an.

»Warte«, sagte der Frosch. »Du bist nicht verletzt. Lass dich durch deine Angst und deine Wut nicht blenden. Was hast du gesehen?«

»Ich«, stotterte Mäuserich, »ich, ich sah die Heiligen Berge!«

»Und du hast einen neuen Namen! « sagte Frosch. »Er ist Springende Maus.«

»Ich danke dir. Ich danke dir«, sagte Springende Maus und dankte ihm abermals. »Ich möchte zu meinem Volk zurückkehren und ihm über das, was geschehen ist, berichten.«

»Geh. Geh also«, sagte Frosch, »kehre zu deinem Volk zurück. Es ist leicht, es zu finden. Behalte das Geräusch des Medizinflusses in deinem Rücken. Geh in entgegengesetzter Richtung zu dem Geräusch, und du wirst deine Mäusebrüder finden.«

Springende Maus kehrte zur Welt der Mäuse zurück. Aber er fand Enttäuschung. Keiner hörte ihm zu. Und weil er nass war und er keinen Weg wusste, dies zu erklären – denn es hatte nicht geregnet -, hatten viele der anderen Mäuse Angst vor ihm. Sie glaubten, er sei aus dem Munde eines anderen Tieres ausgespuckt worden, das versucht hatte, ihn zu fressen. Und sie wussten alle, dass, wenn er für das Tier, das ihn begehrt hatte, keine Nahrung gewesen war, er auch für sie Gift sein musste.

Springende Maus lebte wieder unter seinem Volk, aber er konnte seine Vision von den Heiligen Bergen nicht vergessen. Die Erinnerung brannte in seinem Geist und Herz.

So machte er sich eines Tages auf und ging bis zum Rande des Ortes der Mäuse und blickte auf die Prärie. Er blickte hoch, um nach Adlern zu sehen. Der Himmel war voll von vielen Flecken, jeder einzelne ein Adler. Aber er war entschlossen, zu den Heiligen Bergen zu gehen. Er sammelte all seinen Mut und lief so schnell er konnte auf die Prärie. Sein kleines Herz hämmerte vor Aufregung und Angst.

Er lief, bis er zu einer mit Salbei bewachsenen Stelle kam. Er rastete und versuchte, wieder Luft zu schöpfen, als er eine alte Maus sah. Der Flecken Salbei, auf dem Alte Maus lebte, war ein Zufluchtsplatz für Mäuse. Samen waren reichlich vorhanden, und es gab Nestmaterial und auch sonst viele Dinge, um sich zu beschäftigen.

»Hallo«, sagte Alte Maus. »Willkommen.«

Springende Maus war erstaunt. So ein Platz und so eine Maus.

»Du bist wahrhaftig eine große Maus«, sagte Springende Maus mit all dem Respekt, den er aufbringen konnte. »Dies ist wahrhaftig ein wunderbarer Platz. Und die Adler können dich hier auch nicht sehen«, sagte Springende Maus.

»Ja«, sagte Alte Maus, »und man kann von hier auf alle Wesen der Prärie sehen: den Büffel, die Antilope, den Hasen und den Coyoten. Man kann sie alle von hier aus sehen und ihre Namen kennenlernen.«

»Das ist wunderbar«, sagte Springende Maus. »Kannst du auch den Fluss und die großen Berge sehen?«

»Ja und nein, sagte Alte Maus mit Überzeugung. »Ich weiß, dass es den großen Fluss gibt. Aber ich befürchte, dass die großen Berge nur eine Sage sind. Vergiss deine Sehnsucht danach, sie zu sehen, und bleib hier bei mir. Hier gibt es alles, was du möchtest, und es ist ein guter Platz zum Leben.«

»Wie kann er so etwas sagen?« dachte Springende Maus. »Die Medizin der Heiligen Berge ist nicht etwas, das man vergessen kann.«

»Ich danke dir sehr für das Mahl, das du mit mir teiltest, Alte Maus, und auch dafür, dass du dein großes Heim mit mir geteilt hast«, sagte Springende Maus. »Aber ich muss die Heiligen Berge suchen.«

»Du bist ein dummer Mäuserich, wenn du von hier fortgehst. Es ist gefährlich auf der Prärie! Sieh nur dort oben!« sagte Alte Maus, mit noch mehr Überzeugung. »Sieh all diese Flecken! Es sind Adler, und sie werden dich erwischen!«

Es war schwer für Springende Maus fortzugehen, aber er sammelte seinen ganzen Willen und lief schnell weiter. Das Gelände war rauh. Aber er krümmte seinen Schwanz und lief mit aller Kraft. Er konnte die Schatten der Flekken auf seinem Rücken fühlen, während er rannte. All diese Flecken! Endlich lief er in eine Gruppe von Wildbeerensträuchern hinein. Springende Maus konnte kaum seinen Augen trauen. Hier war es kühl und sehr geräumig. Es gab Wasser, Beeren und Samen zu fressen, Gräser zu sammeln für Nester, Löcher zu erforschen und viele, viele andere Beschäftigungen. Und es gab auch eine große Menge von Dingen zum Sammeln.

Er war dabei, seine neue Domäne zu erforschen, als er ein sehr schweres Atmen hörte. Er forschte rasch nach dem Geräusch und entdeckte seinen Ursprung. Es war ein großer Hügel aus Haaren mit schwarzen Hörnern. Es war ein großer Büffel. Springende Maus konnte kaum die Größe des Wesens glauben, das er dort vor sich sah. Es war so groß, dass Springende Maus in eines seiner Hörner hätte hineinkriechen »So ein prachtvolles Wesen«, dachte Springende Maus und schlich sich näher heran.

»Hallo, mein Bruder«, sagte der Büffel. »Ich danke dir für deinen Besuch.«

»Hallo, großes Wesen«, sagte Springende Maus. »Warum liegst du hier?«

»Ich bin krank und sterbe«, sagte der Büffel, »und meine Medizin sagt mir, dass nur das Auge einer Maus mich heilen kann. Aber kleiner Bruder, so etwas wie eine Maus gibt es nicht.«

Springende Maus war erschüttert. »Eines meiner Augen!« dachte er. »Eines meiner winzigen Augen.« Er huschte zu den Wildbeerensträuchern zurück. Aber das Atmen wurde schwerer und langsamer.

»Er wird sterben«, dachte Springende Maus, »wenn ich ihm nicht mein Auge gebe. Er ist ein zu großes Geschöpf, um ihn sterben zu lassen.«

Er ging dorthin zurück, wo der Büffel lag, und sprach: »Ich bin eine Maus«, sagte er mit zitternder Stimme. »Und du, mein Bruder, bist ein großes Wesen. Ich kann dich nicht sterben lassen. Ich habe zwei Augen, also kannst du eines davon haben.«

Im gleichen Augenblick, als er es sagte, flog Springende Maus’ Auge aus seinem Kopf heraus, und der Büffel war geheilt. Der Büffel sprang auf und erschütterte die ganze Welt von Springende Maus.

»Ich danke dir, mein kleiner Bruder«, sagte der Büffel. »Ich weiß von deiner Suche nach den Heiligen Bergen und von deinem Besuch am Fluss. Du hast mir das Leben geschenkt, so dass ich den Menschen Gaben machen kann. Ich werde für immer dein Bruder sein. Lauf unter meinem Bauch, und ich werde dich bis zum Fuß der Heiligen Berge bringen, und du brauchst dich nicht vor den Flecken zu fürchten. Die Adler können dich nicht sehen, während du unter mir läufst. Alles, was sie sehen werden, ist der Rücken eines Büffels. Aber ich stamme aus der Prärie und würde auf dich fallen, wenn ich versuchen würde, auf die Berge hinaufzugehen.«

Kleiner Mäuserich lief unter dem Büffel, geschützt und versteckt vor den Flecken, aber mit nur einem Auge war es erschreckend. Die großen Hufe des Büffels erschütterten die ganze Welt jedes Mal, wenn er einen Schritt machte. Endlich kamen sie zu einem Platz, und Büffel blieb stehen.

»Hier muss ich dich verlassen, kleiner Bruder«, sagte der Büffel.

»Ich danke dir sehr«, sagte Springende Maus. »Aber weißt du, es war sehr beängstigend, unter dir mit nur einem Auge zu laufen. Ich war ständig in Furcht vor deinen erderschütternden Hufen.«

»Deine Angst war umsonst«, sagte Büffel. »Denn meine Art des Gehens ist der Sonnentanzweg, und ich weiß immer, worauf meine Hufe fallen werden. Ich muss nun in die Prärie zurückkehren, mein Bruder. Du kannst mich dort immer finden.«

Springende Maus begann sofort, seine neue Umgebung zu untersuchen. Da waren sogar noch mehr Dinge als an den anderen Plätzen, mehr Beschäftigungen und eine Vielfalt von Samen und anderen Sachen, die Mäuse mögen. Bei der Untersuchung dieser Sachen stieß er plötzlich auf einen grauen Wolf, der dasaß und absolut nichts tat.

»Hallo, Bruder Wolf«, sagte Springende Maus.

Die Ohren des Wolfes wurden aufmerksam, und seine Augen leuchteten.

»Wolf! Wolf! Ja, das bin ich. Ich bin ein Wolf!« Aber dann erblasste sein Gesicht wieder, und es dauerte nicht lange, bis er wieder still dasaß, ohne sich zu erinnern, wer er war. Jedes Mal, wenn Springende Maus ihn daran erinnerte, wer er war, wurde er durch die Mitteilung angeregt, vergaß es aber bald wieder.

»So ein großes Wesen«, dachte Springende Maus, »aber er hat kein Gedächtnis.«

Springende Maus ging zum Mittelpunkt dieses neuen Ortes und war still. Er lauschte sehr lange dem Pochen seines Herzens. Dann war er plötzlich entschlossen. Er huschte dorthin zurück, wo der Wolf saß, und sprach.

»Bruder Wolf«, sagte Springende Maus…

»Wolf! Wolf« sagte der Wolf…

»Bitte, Bruder Wolf«, sagte Springende Maus, »bitte hör mich an. Ich weiß, was dich heilen wird, Es ist eines meiner Augen. Und ich möchte es dir geben. Du bist ein größeres Wesen als ich. Ich bin nur eine Maus. Bitte nimm es an.«

Als Springende Maus aufhörte zu sprechen, flog sein Auge aus seinem Kopf und der Wolf war geheilt.

Tränen flossen die Backen des Wolfes herab, aber sein kleiner Bruder konnte sie nicht sehen, denn er war jetzt blind.

»Du bist ein großer Bruder«, sagte der Wolf »denn jetzt habe ich mein Gedächtnis wieder. Aber nun bist du blind. Ich bin der Führer zu den Heiligen Bergen. Ich werde dich hinbringen. Dort ist ein großer Medizinsee. Der schönste See der Welt. Die gesamte Welt spiegelt sich darin. Die Menschen, die Zelthäuser der Menschen und all die Wesen der Prärie und des Himmels.«

»Bitte bring mich hin«, sagte Springende Maus.

Der Wolf führte ihn durch die Tannen zum Medizinsee. Springende Maus trank das Wasser aus dem See. Der Wolfbeschrieb ihm die Schönheit.

»Ich muss dich hier verlassen«, sagte der Wolf »denn ich muss zurückkehren, damit ich andere führen kann, aber ich werde so lange bei dir bleiben, wie du es wünschst.«

»Ich danke dir, mein Bruder«, sagte Springende Maus, »aber obwohl ich Angst davor habe, allein zu sein, weiß ich, dass du gehen musst, um anderen den Weg zu diesem Platz zu zeigen.«

Springende Maus saß da und zitterte vor Angst. Es war sinnlos zu laufen, denn er war blind, und er wusste, dass ihn hier ein Adler finden würde. Er fühlte einen Schatten auf seinem Rücken und hörte das Geräusch, das Adler machen. Er spannte sich an und erwartete den Schlag.
Und der Adler traf! – Springende Maus schlief ein…

Dann wachte er auf. Die Überraschung, noch am Leben zu sein, war groß, aber jetzt konnte er sehen! Alles war verschwommen, aber die Farben waren wunderschön.

»Ich kann sehen! Ich kann sehen!« sagte Springende Maus immer wieder.

Eine verschwommene Form kam auf Springende Maus zu. Springende Maus kniff die Augen fest zusammen, aber die Form blieb verschwommen.

»Hallo, Bruder«, sagte eine Stimme. »Willst du etwas Medizin?«

»Etwas Medizin für mich?« fragte Springende Maus. »Ja! Ja!«

»Dann duck dich so tief du kannst«, sagte die Stimme, »und spring so hoch du kannst.«

Springende Maus tat, wie man ihn geheißen hatte. Er duckte sich so tief er konnte und sprang! Der Wind fing ihn auf und trug ihn höher.

»Hab keine Angst«, rief ihm die Stimme zu. »Halte dich an den Wind und hab Vertrauen!«

Springende Maus tat es. Er schloss seine Augen und klammerte sich an den Wind, und der trug ihn höher und höher. Springende Maus öffnete seine Augen, und sie waren klar, und je höher er kam, desto klarer wurden sie. Springende Maus sah seinen alten Freund auf einem Seerosenpolster auf dem wunderschönen Medizinsee. Es war der Frosch.

»Du hast einen neuen Namen, rief der Frosch. »Du bist Adler!«

– Hyemeyohsts Storm

Die Botschaft

Dies ist die Geschichte von Vollmond, Zecke und Hase und der Botschaft, die Mond den Menschen vor langer, langer Zeit schickte.
Das war keine gewöhnliche Botschaft! Es war sogar die allerwichtigste. Es ist nämlich so, dass Mond nicht wirklich stirbt. Er kommt immer wieder, wie wir bei iedem Vollmond sehen können. Und Mond wollte, dass die Menschen folgende Wahrheit wissen: „So wie ich sterbe und wieder lebendig werde, so sollt auch ihr sterben und wieder leben.“

Mond bestimmte Zecke zu derjenigen, die den Menschen diese gewichtige Botschaft bringen sollte. Er wusste, dass Zecke einfach nur faul im Schatten eines Busches saß und darauf wartete, dass eine Ziege vorbeikam oder eine ganze Ziegenherde. Sie würde auf eine von ihnen springen und sich zum Kral mitnehmen lassen, wo die Feuerstellen waren, und so würde die Botschaft die Menschen im Handumdrehen erreichen. Also bekam Zecke die Botschaft mit dem Auftrag, sie weiterzuleiten.

Aber leider war Zecke nicht nur faul – sie hatte auch sehr schlechte Augen. Als sie mit der Botschaft von Mond fortging, war es noch Nacht. Zecke kroch unter das nächste Grasbüschel und schlief, bis die Ziegen zu grasen anfingen. Dort wartete sie auf die nächste sich bietende Gelegenheit.

Als der erste Schatten auf das Grasbüschel fiel, kroch Zecke hervor, krabbelte an dem Schienbein vor ihr hoch und krallte sick fest. Aber, ohhh… Zecke hatte einen schrecklichen Fehler gemacht. Während sie sich die Botschalt immer wieder vorsagte, um sie nicht zu vergessen, entschwand die Erde unter ihr, und die Tkau-Bäume und die Woltsmilchsträucher wurden kleiner und kleiner.

Da erst stellte sie fest, dass diese Ziege kein Fell hatte, sondern Federn! Das Flughuhn kreischte, als es zur Landung auf einem weit entfernten Busch ansetzte. Es schüttelte
kräftig das Gefieder, Zecke flog durch die Lutt und landete auf einem Schilfrohrhalm.

An dem Abend lugte Mond durch die Wolfsmilchsträucher und hoffte, die Menschen vor Freude über die gute Nachricht tanzen zu sehen. Aber es war sehr still und die Feuer im Kral brannten nicht sehr hoch. Das Weinen der Kinder verriet ihm, dass irgendjemand sehr krank sein musste. Da erkannte Mond, dass Zecke den Menschen die gute Nachricht noch nicht gebracht hatte.

In dieser Nacht fielen ein paar Tropfen Regen, so dass sich am zweiten Tag viele Springböcke und Spießböcke auf dem Sand um Zecke tummelten und lauter Freudensprünge machten. Da verdunkelte ein Schatten das Schilfrohr, auf dem Zecke saß und wartete, und sie dachte, „Das ist es“, und kletterte hoch. Aber o weh, es war keine Ziege, an deren Schienbein sich Zecke klammerte! Ehe Zecke das richtig mitbekam, galoppierte der Spießbock bereits am Kral vorbei und auf dem Regentropfenpfad in Richtung Sonnenuntergang.

Als der Spießbock am späten Nachmittag innehielt, um zu grasen, wurde Zecke klar, dass ein weiterer Tag vergangen war, ohne dass die Botschaft die Menschen erreicht hatte. Und jetzt lag der Kral jenseits der weitesten Bergkette am Horizont.

Nach einer Weile, als Mond wieder durch die Woltsmilchsträucher spähte, sah er, dass die Feuer noch kleiner waren als am Abend zuvor, und er hörte die Menschen klagen. Irgendjemand war wirklich sehr, sehr krank, und Mond erkannte, dass Zecke die Freudenbotschaft den Menschen noch immer nicht gebracht hatte.

Am dritten Tag, als Zecke gerade auf einer Ampferstaude saß, kam Hase vorbei, um an den saftigen Blättern zu knabbern. Und Zecke erzählte ihm von ihrer Not. Hase war schrecklich neugierıg und wollte sofort wissen, was die Botschatt denn besage, und Zecke rasselte sie herunter: „So wie ich. Mond, sterbe und wieder lebendig werde, sollt auch ihr sterben und wieder leben.“

„Das ist eine wichtige Botschaft“, dachte Hase bei sich. „Wenn ich sie den Menschen überbringe, werde ich mich bei Mond bestimmt beliebt machen.“ Und flugs bot er Zecke an, sie zum Kral zu bringen.

Kaum hatten sie die nächsten Wolfsmilchsträucher erreicht, da schüttelte Hase sein Kaross, seine Pelzdecke, kräftıg durch – und Zecke flog in hohem Bogen durch die Luft. Kurz rief Hase noch: „Aus dem Weg!“ Und schon flitzte er wie der Sturmwind zum Kral, um den Menschen die Botschaft zu bringen.

Während Zecke auf die eine Art kurzsichtig war, war Hase es auf die andere. Er dachte nur daran, wie viel Ruhm und Reichtum es ihm einbringen würde, wenn er die gewichtige Botschaft überbrächte. Anders als Zecke sagte er sie sich nicht ständig vor; er wetzte so rasend dahin, dass seine Löffel und sein flaumiger weißer Schwanz über den Steinen und den Grasbüscheln nur noch aufblitzten.

Doch als Hase atemlos im Kral ankam, konnte er sich nicht mehr ganz genau erinnern, wie die Botschaft lautete, die er von Zecke gehört hatte. Er sagte sie ein paar Mal vor sich her, aber je öfter er sie wiederholte, desto mehr gerieten ihm die Worte durcheinander und desto verwirrter wurde er.

Staubig und bleich brach er auf dem Boden zusammen und überbrachte den Menschen folgende Botschaft: „So wie ich sterbe und tot bleibe, so sollt ihr sterben und zugrunde gehen.“ Alle Bewohner des Krals begannen zu klagen und bestreuten sich mit Sand und Asche, und genau in diesem Augenblick tat der sehr, sehr, sehr kranke Mann seinen letzten Atemzug.

Als Mond in dieser Nacht durch die Woltsmilchsträucher spähte, sah er nicht eine einzige glühende Kohle. Der Kral war verlassen. Alle Bewohner waren fortgegangen. Kein einziges Zeichen von Leben.

Als er näher hinschaute konnte er Zecke nirgends entdecken, aber Hase saß noch immer an der Feuerstelle und wiederholte wie benommen die verpfuschte Botschaft. Wütend griff Mond nach einem abgebrannten Holzscheit und schlug Hase damit quer übers Gesicht. Hase erschrak so sehr, dass er sein Kaross in die Asche der Feuerstelle fallen ließ. Dann riss er es wieder an sich und schlug Mond damit ins Gesicht.

Seitdem hat Hase eine Hasenscharte, und auf dem Gesicht von Mond ist immer noch der fahle Aschenstaub zu sehen.

– George Weideman (Geschichte der Nama aus Afrika)

Notiz

Leben – die einzige Art,
Blätter zu treiben,
auf dem Sand nach Luft zu schnappen,
sich emporzuschwingen auf Flügeln;

ein Hund zu sein,
oder sein warmes Fell zu streicheln;

den Schmerz zu unterscheiden
von allem, was nicht er ist;

in Ereignissen Platz zu haben,
in Aussichten unterzukommen,
zwischen Irrtümern den kleinsten zu suchen.

Einmalige Gelegenheit,
einen Augenblick lang zu behalten,
worüber man
bei gelöschtem Licht sprach;

und wenigstens einmal
über einen Stein zu stolpern,
nass zu werden im Regen,
die Schlüssel im Gras zu verlieren;

und dem Funken im Wind mit den Augen zu folgen;

und ständig etwas Wichtiges
nicht zu wissen.

– Wislawa Szymborska

Geboren werden

Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang.
Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, daß die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind.
Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden.
Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört.

– Erich Fromm

Dancing

Dancing is not
getting up any time painlessly like a speck of dust blown around in the wind.

– Mevlana Rumi

Fülle

Giving thanks for abundance
is greater than the abundance itself.

– Mevlana Rumi

Süßigkeiten

Find the sweetness in your own heart,
then you may find the sweetness in every heart.

– Mevlana Rumi

Lover

How can you ever hope to know the Beloved
without becoming in every cell the lover?

– Mevlana Rumi

Komm

Come, come, whoever you are,
an pagan, an idol worshiper or an infidel.
Come, even if you have broken your vows a thousand times.
Ours is not a caravan of despair. Come.

– Mevlana Rumi

Walking in beauty

In beauty I walk
With beauty before me I walk
With beauty behind me I walk
With beauty above me I walk
With beauty around me I walk
It has become beauty again

Hózhóogo naasháa doo. Shitsijí’ hózhóogo naasháa doo. Shikéédéé hózhóogo naasháa doo. Shideigi hózhóogo naasháa doo. T’áá altso shinaagóó hózhóogo naasháa doo. Hózhó náhásdlíí’. Hózhó náhásdlíí’. Hózhó náhásdlíí’. Hózhó náhásdlíí’

Today I will walk out, today everything negative will leave me
I will be as I was before, I will have a cool breeze over my body.
I will have a light body, I will be happy forever, nothing will hinder me.
I walk with beauty before me. I walk with beauty behind me.
I walk with beauty below me. I walk with beauty above me.
I walk with beauty around me. My words will be beautiful.

In beauty all day long may I walk.
Through the returning seasons, may I walk.
On the trail marked with pollen may I walk.
With dew about my feet, may I walk.
With beauty before me may I walk.
With beauty behind me may I walk.
With beauty below me may I walk.
With beauty above me may I walk.
With beauty all around me may I walk.
In old age wandering on a trail of beauty, lively, may I walk.
In old age wandering on a trail of beauty, living again, may I walk.
My words will be beautiful…

– Navajo

Cookie Consent mit Real Cookie Banner