Kategorie: Südost Polen

Landkarte einer imaginären Landschaft

Eine Reise durch Land oder Geist – was für eine Bedeutung hat das? Schreibe die Sachen auf, die du siehst und die du nicht siehst. Fülle die leeren Orte mit Möglichkeiten. Suche nach einer Inspiration in der Fantasie, gehe tief in dich und höre auf den Wanderer, Philosophen und Künstler, der in jedem von uns lebt. Genieße die Vorstellung von einem eigenen ausgedachten Ort. Skizziere eine Landschaft, Flora und Fauna, eine Manifestation von einem eigenen intimsten Zuhause. Zaubere Abenteuer hervor. Beginne ein Traumtagebuch zu schreiben. Öffne dich für eine neue Hypothese oder ein Gedicht, für deine neue Erfindung, eine neue hervorragende Idee. Möge das etwas Ungewöhnliches, etwas Verzaubertes sein, etwas, woran man glauben kann, etwas von dir. Bestimme den Weg rückwärts und vorwärts. Und dann zeichne eine Landkarte auf, die dir hilft, dir diesen Weg zu merken.

Michele Root-Bernstein


 

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Krakau

Kazimierz – jüdisches Viertel in Krakau
 

27.VII.2021 | 17. Etappe: Klimkowka – Grybow/ Krakau

 
Strecke: 32 Km | gesamt: 834 Km
unterwegs: 9:00 – 16:00 Uhr
Wetter: Sonne, heiß
 
 
 

wieder ein super heißer Tag
mein Fahrrad schwächelt mit gebrochener Speiche und bedenklicher Acht im Hinterrad
deshalb entscheide ich mich für den kürzesten Weg nach Grybow über die Schnellstraße
nicht ganz ungefährlich bei fehlendem Fahrradweg und Randstreifen
schaffe es heil bis zum Eiscafé unterhalb des Doms
nach ausgiebiger Eispause im Stadtpark dann das letzte Stück nach Krakau mit dem Zug
finde dort kleinen gemütlichen Campingplatz etwas außerhalb
auf dem Gelände eines ehemaligen Schloßparks mit schönem alten Baumbestand

Klimkowka

Blick auf den Klinkowka Stausee
 

26.VII.2021 | 16. Etappe: Radocyna – Klimkowka

 
Strecke: 35 Km | gesamt: 802 Km
unterwegs: 10:00 – 17:00 Uhr
Wetter: Sonne, heiß und drückend, nachmittags Gewitter
 
 
 

unspektakuläre Fahrt über die Hügel nach Uscie Gorlickie
der See ein wenig trostlos – das Wasser nicht sehr einladend
Kaffeepause in kleinem Eiscafé am Einkaufszentrum
dann weiter zum Campingplatz in Klimkowka
kurz vor der Einfahrt ein plötzliches heftiges Gewitter
bin sofort nass bis auf die Knochen – das Fahrrad und Gepäck auch
kann mich bei der Rezeption unterstellen – der Regen ist schnell wieder vorbei
trockne und reinige mich bei den Sanitärgebäuden
und behänge das Fahrrad mit den gefluteten Klamotten
die Sonne kommt wieder raus und ich rolle meinen mobilen Wäscheständer zum Strand
gönne mir ein gebratenes Hähnchen mit Pommes
nach kurzer Zeit ist alles wieder trocken
finde einen schönen Platz für mein Zelt
und unternehme noch eine kleine Wanderung über den Naturlehrpfad zum Dorfladen
ausgerüstet mit Bier und Käse sitze ich lange am Strand und beobachte die Hochzeitsfotosession eines jungen Paares

Radocyna

Blick vom Wanderweg ins Biberbachtal
 

25.VII.2021 | 15. Etappe: Huta Polanska – Radocyna

 
Strecke: 34 Km | gesamt: 767 Km
unterwegs: 10:30 – 16:30 Uhr
Wetter: Sonne, dann bedeckt, kurzer Regen, abends wunderschön, nachts Gewitter
 
 
 

beim Zeltabbau nettes Gespräch mit enthusiastischen Mountainbikern
fahren am liebsten die steilen Wanderwege im Grenzwald
„We don’t like asphalt!“
ich rolle nach Krempna – einkaufen und Kaffee trinken
dann über die Hügel weiter Richtung Südwesten
im Wald überholt mich ein sanfter Regen
danach ist die Luft seltsam weich
die Landschaft hält den Atem an
kein Wind kein Regen und nichts zu hören
mein Ziel das Wanderer Basis Camp in Radocyna
ein Zeltplatz ohne Strom und Wasseranschluss
es gibt Plumpsklos mit Panoramablick und eine Kanisterdusche mit Flusswasser – wahlweise etwas angewärmt durch einen Topf Heißwasser vom Holzfeuerherd
zur Begrüßung bekomme ich eine Tasse Tee auf Kosten des Hauses
die Zeltplatzgebühr beträgt 50 Cent
der Abend ist wieder wunderschön
ich laufe noch ein wenig am Fluss entlang wo der Biber reichlich Stauseen errichtet hat
hier müsste man nochmal herkommen und wochenlang wandern
bevor ich schlafen gehe setze ich mich noch ein Weilchen ans Feuer
und höre den Wandergeschichten der Übernachtungsgäste zu
und verstehe kein Wort
in der Nacht gewittert es wieder

Huta Polanska

Steinbrücke und Holzkirche in Olchowiec
 

24.VII.2021 | 14. Etappe: Tylawa – Huta Polanska

 
Strecke: 31 Km | gesamt: 733 Km
unterwegs: 10:00 – 17:00 Uhr
Wetter: Sonne, heiß, wenig Wolken, nachmittags windig
 
 
 

aus den Vorkarpaten jetzt in die niederen Beskiden – die Beskid Niski
die Gegend ist hier mehr landwirtschaftlich geprägt
die Berge nicht mehr ganz so hoch – fast ein wenig wie in Franken
schöne Fahrradroute durch die Wiesen
verpasse einmal den Abzweig und muss dann weit über eine abschüssige Heuwiese schieben
danach gehts bergab durch ein enges Bachtal
aber auch nur schiebender Weise da sich überall das Wasser der vortägigen Gewitter staut
in den Auen Reste der verlassenen Lemkendörfer – eine nach dem Krieg vertriebene Ukrainische Volksgruppe
erste Station unterwegs: Olchowiec mit alter Steinbrücke und orthodoxer Holzkirche
dann weiter nach Polany vorbei am Lemkenmuseum
im Ort eine mächtige in den achtziger Jahren wieder aufgebaute orthodoxe Kirche
viel zu groß für das kleine Dorf
überall entstehen neue Edelquartiere für Urlauber
ich mache noch einen Abstecher nach Krempna zur Nationalparkausstellung und zum Eiscafé
danach zurück über Polany nach Huta Polanska – letzter Aussenposten vor der Slowakischen Grenze
mitten im Wald komfortable Reiterpension mit Zeltwiese
viel Familienbetrieb und große Grillgelage direkt neben meinem Zelt
muss am späten Abend nochmal umziehen
dafür üppiges leckeres Frühstück am nächsten Morgen im Aufenthaltsraum

Tylawa

Trinkwasserversorgung auf dem schönsten Zeltplatz
 

23.VII.2021 | 13. Etappe: Komancza – Tylawa

 
Strecke: 46 Km | gesamt: 702 Km
unterwegs: 9:30 – 16:00 Uhr
Wetter: Sonne, Wolken, windstill, trocken
 
 
 

auf Empfehlung einer Reisebekanntschaft Abstecher durch den Nationalpark
mitten im Fichtenwald nah der Slowakischen Grenze eine wunderschöne Lichtung
offizieller Biwakplatz für Wanderer
mit Feuerstelle überdachter Sitzgruppe und kleinem Bach zur Wasserversorgung
zauberhaft idyllisch: hier könnte man es eine Weile aushalten
doch ich fahre weiter – bergab wieder Richtung Hauptstraße
durch eine verwunschene Heide- und Moorlandschaft
Etappenziel ist ein Campingplatz an der Nord- Südschnellstraße
keine Idylle aber mit allem was man braucht
der Besitzer kann jeden Neuankömmling in dessen Landessprache begrüßen
neben mir ein nettes holländisches Pärchen mit Wohnmobil und Hund

Komancza Tag 2

Grenzwald Polen – Slowakai
 

22.VII.2021 | Komancza Tag 2: Ausflug in die Slowakai (Medzilaborce)

 
Strecke: 65 Km | gesamt: 656 Km
unterwegs: 10:15 – 19:00 Uhr
Wetter: Wolken, Sonne, windig, trocken
 

auf einem Wanderweg mehr schiebend als fahrend bis zur Grenze: ein Höhenzug im Wald
dann auf der anderen Seite hinunter in die Slowakai auf Forstwirtschaftswegen
begegne Waldarbeitern und einem gigantischen geländegängigen LKW
folge immer dem am besten befahrbaren Weg bis ich wieder asphaltierten Boden erreiche
von dort über die Dörfer nach Medzilaborce – kleines Städtchen am Fuß des Grenzwaldes
kehre ein im einzigen Gasthaus des Ortes
nettes Gespräch mit Tischnachbarn
ein eigenwilliger Mensch im Anzug (trotz Hitze) und mit Hund
wie sich herausstellt ein Engländer mit tschechischen Wurzeln der sich überschwänglich begeistert für die Schönheit der Landschaft
dann durch das langgestreckte Tal zurück Richtung Polen
kaum Autoverkehr – für den motorisierten Verkehr ist die Schotterpiste über die Grenze gesperrt
unterwegs einige Stopps: zum Nachtanken von Kaffee, Cola und Eis
und zum Fotografieren von Störchen

Komancza

Furt durch die Oslawa
 

21.VII.2021 | 12. Etappe: Smolnik – Komancza

 
Strecke: 50 Km | gesamt: 591 Km
unterwegs: 10:00 – 17:00 Uhr
Wetter: Wolken, warm, wechselhaft, trocken
 
 

morgens Gespräch mit einem polnischen Familienvater
er ist mit Frau und zwei wahnsinnig energiegeladenen Mädchen unterwegs
er empfiehlt mir in die Gegend hinter Przemysl an der Ukrainischen Grenze zu fahren
dort gibt es noch viel unberührte Natur
aber wenn ich so richtig abgefahrene Dinge sehen will soll ich richtig in die Ukraine fahren
das kann man gar nicht glauben was es dort alles gibt
als Tip für die unmittelbare Umgebung rät er mir einen Abstecher nach Lupkow zu machen
es liegt zwar nicht auf meiner Route aber ich habe Zeit und bin offen für Abenteuer
über einen zauberhaften Weg durch die Wiesen komme ich zu einer Wanderherberge in der die Zeit still zu stehen scheint
herrlich urig und phantasievoll eingerichtet – man fühlt sich in ein anderes Jahrhundert versetzt
Wasser gibt es nicht – nur Plumpsklos und einen Brunnen
gekocht wird auf einem Holz gefeuerten Herd
leider wird keine 500 Meter entfernt eine neue Schnellstraße gebaut
unmittelbar neben der Trasse die Reste eines alten orthodoxen Friedhofs
 

 
kurz hinter dem Friedhof eine vergessene Bahnstation
man glaubt kaum dass hier ein Zug aus Krakow Richtung Slowakai hält
wie eine Hinweistafel erklärt ist über diese Strecke aber schon der brave Soldat Schwejk gereist
idyllische Landschaft und schöner Wanderweg zur und entlang der Grenze zur Slowakai
ich lasse Idylle und Grenze hinter mir und fahre durchs Oslawa Tal Richtung Komancza
der Fluss muss mehrmals durch Furten überquert werden
auf halber Strecke an einem Wanderwegknoten ein nettes Café mit reichlich Betrieb durch mehrere Wanderfamilien
die Tour ist zauberhaft in autofreier Natur – und trotzdem asphaltiert
gegen Nachmittag dann in Komancza
die angesteuerte Wanderherberge hat leider dicht gemacht – auch wenn Werbeschilder im Ort etwas anderes sagen
ebenso die Gastronomie – die Zeit als Urlaubsort wohl vorbei
nach einigem kreuz und quer fahren finde ich noch ein Privatzimmer am Ortsausgang