26.VI.2022 | 22. Etappe: Shkoder – Lake Resort
unterwegs: 10:00 – 12:30 Uhr
Wetter: heiß, sonnig
Auf der Suche nach dem Wunderbaren
Eine Reise durch Land oder Geist – was für eine Bedeutung hat das? Schreibe die Sachen auf, die du siehst und die du nicht siehst. Fülle die leeren Orte mit Möglichkeiten. Suche nach einer Inspiration in der Fantasie, gehe tief in dich und höre auf den Wanderer, Philosophen und Künstler, der in jedem von uns lebt. Genieße die Vorstellung von einem eigenen ausgedachten Ort. Skizziere eine Landschaft, Flora und Fauna, eine Manifestation von einem eigenen intimsten Zuhause. Zaubere Abenteuer hervor. Beginne ein Traumtagebuch zu schreiben. Öffne dich für eine neue Hypothese oder ein Gedicht, für deine neue Erfindung, eine neue hervorragende Idee. Möge das etwas Ungewöhnliches, etwas Verzaubertes sein, etwas, woran man glauben kann, etwas von dir. Bestimme den Weg rückwärts und vorwärts. Und dann zeichne eine Landkarte auf, die dir hilft, dir diesen Weg zu merken.
Michele Root-Bernstein
erholen und auftanken
lange in Parks gesessen
viel Eis gegessen und Kaffee getrunken
auf dem Markt den Straßenmusikern zugehört
und das jüdische Viertel erkundet
wieder ein super heißer Tag
mein Fahrrad schwächelt mit gebrochener Speiche und bedenklicher Acht im Hinterrad
deshalb entscheide ich mich für den kürzesten Weg nach Grybow über die Schnellstraße
nicht ganz ungefährlich bei fehlendem Fahrradweg und Randstreifen
schaffe es heil bis zum Eiscafé unterhalb des Doms
nach ausgiebiger Eispause im Stadtpark dann das letzte Stück nach Krakau mit dem Zug
finde dort kleinen gemütlichen Campingplatz etwas außerhalb
auf dem Gelände eines ehemaligen Schloßparks mit schönem alten Baumbestand
unspektakuläre Fahrt über die Hügel nach Uscie Gorlickie
der See ein wenig trostlos – das Wasser nicht sehr einladend
Kaffeepause in kleinem Eiscafé am Einkaufszentrum
dann weiter zum Campingplatz in Klimkowka
kurz vor der Einfahrt ein plötzliches heftiges Gewitter
bin sofort nass bis auf die Knochen – das Fahrrad und Gepäck auch
kann mich bei der Rezeption unterstellen – der Regen ist schnell wieder vorbei
trockne und reinige mich bei den Sanitärgebäuden
und behänge das Fahrrad mit den gefluteten Klamotten
die Sonne kommt wieder raus und ich rolle meinen mobilen Wäscheständer zum Strand
gönne mir ein gebratenes Hähnchen mit Pommes
nach kurzer Zeit ist alles wieder trocken
finde einen schönen Platz für mein Zelt
und unternehme noch eine kleine Wanderung über den Naturlehrpfad zum Dorfladen
ausgerüstet mit Bier und Käse sitze ich lange am Strand und beobachte die Hochzeitsfotosession eines jungen Paares
beim Zeltabbau nettes Gespräch mit enthusiastischen Mountainbikern
fahren am liebsten die steilen Wanderwege im Grenzwald
„We don’t like asphalt!“
ich rolle nach Krempna – einkaufen und Kaffee trinken
dann über die Hügel weiter Richtung Südwesten
im Wald überholt mich ein sanfter Regen
danach ist die Luft seltsam weich
die Landschaft hält den Atem an
kein Wind kein Regen und nichts zu hören
mein Ziel das Wanderer Basis Camp in Radocyna
ein Zeltplatz ohne Strom und Wasseranschluss
es gibt Plumpsklos mit Panoramablick und eine Kanisterdusche mit Flusswasser – wahlweise etwas angewärmt durch einen Topf Heißwasser vom Holzfeuerherd
zur Begrüßung bekomme ich eine Tasse Tee auf Kosten des Hauses
die Zeltplatzgebühr beträgt 50 Cent
der Abend ist wieder wunderschön
ich laufe noch ein wenig am Fluss entlang wo der Biber reichlich Stauseen errichtet hat
hier müsste man nochmal herkommen und wochenlang wandern
bevor ich schlafen gehe setze ich mich noch ein Weilchen ans Feuer
und höre den Wandergeschichten der Übernachtungsgäste zu
und verstehe kein Wort
in der Nacht gewittert es wieder