Otok

Zelten am Feldrand kurz vor der Serbischen Grenze
 

5.VI.2022 | 1. Etappe: Vinkovci – Otok

 
Strecke: 23 Km
unterwegs: 19:00 – 21:00 Uhr
Wetter: heiß, windstill
 

Abreise von Coburg um 22:00
mit der Bahn bis Nürnberg: zwei Stunden Aufenthalt
im Bahnhof dichtes Gedränge von Festivalbesuchern in Lederhose und Dirndl
Eine asiatische Familie mit zwei kleinen Töchtern wartet auf ihren Zug
Die beiden Mädchen versuchen sich aus Jacken einen Schlafplatz zu bauen

Dann weiter vom ZOB
Der Flix Bus ist rappelvoll
An einer Plakatwand in der Innenstadt steht:
„Was wäre das Beste das dir passieren könnte?“
Großes Glück dass mein Sitznachbar in Regensburg den Platz wechselt
und ich so zwei Sitze für mich habe
Trotzdem: lange Fahrt, hängender Kopf, schmerzender Nacken
Aber es geht voran, es ist warm
Um 3:00 dämmert es
Zwei Kontrollen an der Slowenisch – Kroatischen Grenze:
verschlafenes Aufstellen in Reihe vor dem Abfertigungsschalter
Nahezu pünktlich in Zagreb
Mein gebuchter Bus nach Sremska Mitrovica verweigert die Mitnahme mit Fahrrad
Also weiter bis Vinkovci mit der Bahn

Warte bis zur Abfahrt des Zuges im Park vor dem Bahnhof
Die Zeit wird lang, die Gedanken klebrig
Ich beobachte die Menschen auf der Straße:
nicht zu begreifen dass die alle ein eigenes Leben haben und so ganz anders als meins

Der Zug ist eine S-Bahn mit Fahrradabteil
Es geht im Schneckentempo durchs Savetal: viereinhalb Stunden für kanpp 200 Kilometer
Zwei nette Frauen setzen sich mir gegenüber und reden die ganze Fahrt
Im Zug ist es kühl – draußen sind 30 Grad

Dann von Vinkovci los mit dem Rad
Über die Dörfer Richtung Serbische Grenze
Noch zwei Stunden Tageslicht ausnutzen
Es ist schwül und drückend: ein Gewitter ist angekündigt
Um halb neun fange ich an nach einem Platz für die Nacht zu suchen
In der wenig strukturierten Landwirtschaftsgegend gibt es wenig Rückzusmöglichkeiten
Nach einem vergeblichen Versuch finde ich hinter Otok eine geschützte Stelle an einem Feldweg
Als das Zelt steht ist es stockdunkel
Und es ist recht laut: die Hauptstraße ist nicht weit entfernt
Dann merke ich: wesentlich lauter sind die Zikaden in den Büschen ringsum
Das Zelt steht etwas abschüssig aber ich rolle mich zurecht
Schlafe unruhig – warte auf das Gewitter:
Außer dem Wind der ab und zu mit der Zeltplane raschelt kommt jedoch nichts

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